Sozialpartnerschaft in der Pandemie gestärkt

Die Pandemie wurde für das Spitalpersonal zum Dauerstresstest, die sozialen Spannungen nahmen zu. Sie brachte aber auch die Arbeitgebenden und die Arbeitnehmenden näher zusammen. Diese Rückschau beinhaltet Beispiele, wie die Sozialpartnerschaft auch unter Druck erfolgreich gelebt wurde.

Bewusst wurde während des Pandemiejahrs einmal mehr, dass nur Spitäler und Kliniken mit ausreichenden finanziellen Mitteln genügend gut qualifiziertes Personal bereitstellen und grosse Belastungen bewältigen können. Den Sozialpartnern wurde 2020 rasch klar, dass Berufs- und Arbeitgeberverbände im Gesundheitswesen mit dem Personal dieselbe zentrale Dialoggruppe und die gleichen Sorgen haben und deshalb ihre Kräfte bündeln müssen.

Pflegeinitiative stärkte die Sozialpartnerschaft
Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen H+ und dem Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) als Vertreter des Initiativkomitees der «Pflegeinitiative» stärkte die Sozialpartnerschaft. Darauf baute die Kooperation von H+, der Allianz der Arbeitgeberverbände und des SBK auf, im Bestreben, gemeinsam zu einer mehrheitsfähigen Gesetzesgrundlage im Parlament beizutragen. Auch wenn die Sozialpartner nicht in allen Forderungen gleicher Meinung waren, schaffte insbesondere die gemeinsame Stossrichtung «Bildungsoffensive» im «Bundesgesetz über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege» gegenseitiges Vertrauen.

Zwei sich hartnäckig haltende Differenzen bezüglich einer «Muss-Formulierung» bei den Bildungsleistungen und der Vereinbarungen zwischen Pflegenden und Krankenversicherern bei selbständig verordneten Pflegeleistungen enden im Frühling 2021 voraussichtlich in der Einigungskonferenz. Ob ein Kompromiss gelingt, wird wohl von der Entscheidung abhängen, ob die Initianten die Initiative zurückziehen werden oder nicht. Aus Sicht von H+ ist es prioritär, dass ein indirekter Gegenvorschlag zustande kommt, welchen der Verband in einer Abstimmung unterstützen könnte, im Gegensatz zur Pflegeinitiative, die H+ zu weit geht.

Grünes Licht für Weiterbildung Lagerungspflege
Die Schweizerische Vereinigung des Pflegepersonals für Operations-Lagerungen (SVPOL) und der SBK baten H+ Ende 2019 zu prüfen, ob auch die Arbeitgeber einen Weiterbildungsbedarf für Lagerungspflegende sehen. Koordiniert mit den beiden Berufsverbänden befragte H+ dazu Anfang 2020 seine Mitglieder. Die Ergebnisse bestätigten klar den Bedarf und Willen, eine solche Weiterbildung zu unterstützen. Der H+ Vorstand gab im Oktober 2020 grünes Licht für eine national standardisierte Weiterbildung mit Branchenzertifikat und mit OdASanté als Trägerschaft. Erste Lehrgänge sind ab 2022 geplant.

Pflegerische Kompetenzen Mütter- und Väterberatungen
H+ klärte 2020 bei seinen Mitgliedern abschliessend ab, ob sie als notwendig erachten, dass Mütter- und Väterberatungen auch künftig über genügend pflegerische Kompetenzen verfügen müssen. Die Analyse zeigte, dass die Mehrheit mit den Zulassungsbedingungen zur Höheren Fachprüfung Mütter- und Väterberatung zufrieden ist. H+ empfahl deshalb OdASanté, die Prüfungsordnung vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) genehmigen und in Kraft setzen zu lassen.

Höhere Fachprüfung Fachexperte/in für Infektionsprävention im Gesundheitswesen
Ob bei der Prüfung Fachexperte/in für Infektionsprävention im Gesundheitswesen Revisionsbedarf besteht, diskutierte die Trägerschaft im Februar 2020 und kam zum Schluss, dass zuerst insbesondere Führungs- und Organisationsfragen geklärt werden müssten. Dies wurde im Anschluss gemacht, allerdings verzögert sich die Rekrutierung von Nachwuchs pandemiebedingt etwas. H+ ermuntert die Spitalleitungen, gerade im Hinblick auf weitere Pandemien, künftig mehr Kandidatinnen und Kandidaten in diese äusserst wichtige Weiterbildung zu entsenden und finanzielle Mittel und Berufsbildungskapazitäten für Infektionsprävention bereitzustellen.

Tripartites «Merk- und Faktenblatt zur Corona-Pandemie»
Im Frühling beschlossen die drei Verbände H+, SBK und Verband Schweiz. Assistenz-und Oberärzte/-innen (VSAO), sich regelmässig über die Auswirkungen der Pandemie auf das Personal auszutauschen. Sie schafften im Sommer ein gemeinsames Merkblatt mit Empfehlungen zu Themen, die pandemiebedingt am häufigsten zu sozialen Spannungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden führen. Das Merkblatt wurde Ende Dezember 2020 aktualisiert. Auch 2021 hat H+ zum Ziel, die Sozialpartnerschaft zu pflegen und so den Arbeitsfrieden zu stärken.

Kontakt

Jürg Winkler
Fachverantwortlicher Personal- und Bildungspolitik